Lynx Broker

1. Allgemeine Informationen

Der Online-Broker Lynx ist 2006 in der niederländischen Hauptstadt Amsterdam gegründet worden und bietet mittlerweile in vielen europäischen Ländern Online-Brokerage an. Das erste Büro in Deutschland eröffnete der Anbieter 2008.

Das Angebot von Lynx Broker basiert auf dem des amerikanischen Interactive Brokers. Durch die Verbindung kann Lynx über 100 Börsen in 20 Ländern anbieten – inklusive aller deutscher Handelsplätze. Bei Orderaufgabe sucht das System seinen Nutzern automatisch den günstigsten Handelsplatz unter den verfügbaren Börsen. Der bei deutschen Endkunden beliebte außerbörsliche Handel wird jedoch nicht angeboten.

Die Depotführung erfolgt nach britischem Recht. Die deutsche Kapitalmarktsteuer führt der Broker daher nicht automatisch ab. Diese müssen deutsche Kunden in Form einer Einkommenssteuererklärung abrechnen. Lynx stellt dafür allerdings die entsprechenden Unterlagen zur Verfügung.

#2. Schnellcheck: Vor- und Nachteile von Lynx Broker in der Übersicht

Vorteile

  • Produktangebot: Große Auswahl an Assets und Handelsplätzen
  • Kostenfreie Depotführung
  • Relativ günstige Ordergebühren
  • Umfangreiche und sehr gut ausgebaute Trading-Plattformen und Module
  • Serviceangebote: regelmäßige Webinare
  • Day-Trading möglich
  • Eignet sich für World Trader und Vieltrader
  • gute Alternative für Future- und Optionstrader

Nachteile

  • Kein klassischer Fondshandel (schlecht für Buy&Hold-Trader)
  • Keine Wertpapier-Sparpläne
  • Kein Schutz durch TAN-Verfahren
  • Mindesteinzahlung bei Depoteröffnung 4.000 Euro
  • Durch großes Produktangebot auch viele Kostenarten zu beachten
  • Die deutsche Abgeltungssteuer wird nicht berücksichtigt
  • Kein außerbörslicher Handel

3. Produkte

In der Regel bieten Broker den Handel mit Wertpapieren an oder sie haben sich auf Devisenpaare und CFDs spezialisiert. Der Markt unterscheidet daher auch zwischen Wertpapier-Brokern, Devisen-Brokern und CFD-Brokern. Lynx Broker ist da anders. Er ist einer der wenigen Anbieter auf dem Markt, bei dem Kunden die Möglichkeit haben, alle diese Assetklassen zu handeln. Im Angebot sind außerdem Optionen, Zertifikate, Optionsscheine, ETFs und Futures.

Anleihen, Fonds und Sparpläne befinden sich hingegen nicht im Produktportfolio von Lynx Broker. Ebenso verzichtet der Online-Broker auf klassische Banking-Angebote, wie Tages- Festgeld- und Girokonten oder Finanzierungen.

4. Kosten

Beim Handel über einen Broker wie Lynx können aufgrund des großen Produktangebots viele unterschiedliche Kostenarten entstehen, wie:

  • Depotgebühren
  • Ordergebühren
  • Spreads
  • Kommissionen
  • Finanzierungskosten
  • Gebühren für Zusatzleistungen

Depotführungskosten fallen bei Lynx Broker nicht an. Das heißt: Kunden eröffnen ihre Depots umsonst und verwahren auch ihre Assets kostenlos. Allerdings verlangt der Broker eine erstmalige Mindesteinlage von 4.000 Euro. Später können Trader das Geld jedoch wieder abziehen, wenn sie mit weniger Volumen handeln möchten. Zudem darf sich der Wohnsitz des Neukunden nicht in den USA oder in Kanada befinden.

Handel mit Aktien, Optionen, Futures und ETFs

Die Ordergebühren für Aktien und ETFs betragen an deutschen Handelsplätzen 0,14 Prozent des Ordervolumens. Dabei ist eine Mindestgebühr von 5,80 Euro zu beachten. Maximal berechnet Lynx Broker 99 Euro je Auftrag.

An ausländischen Börsen sind die Orderkosten sogar noch niedriger. Das Gebührenmodell für US-Aktien etwa richtet sich nach der Menge der getradeten Wertpapiere. Bis zu einem Umsatz von 2.000 Aktien zahlen Anleger an US-amerikanischen Handelsplätzen lediglich 0,01 Dollar je Aktie. Dabei müssen die Kunden eine Minimumgebühr von 5 Dollar berücksichtigen.

Derivate sind noch günstiger: Optionen und Futures handeln Lynx-Kunden zu einem Preis von 2 Euro je Kontrakt. Hierbei handelt es sich um Festpreise; es fallen keine weiteren Gebühren an.

Handel mit Optionsscheinen und Zertifikaten

Bei Warrants (Optionsscheinen) und Zertifikaten betragen die Kosten 0,2 Prozent des Transaktionswerts. Die Mindestgebühr liegt für diese Assets bei 8 Euro.

Forexhandel

Beim Forexhandel sind die Kosten in Spreads und Kommissionen gegliedert. Für praktisch alle viel gehandelten Währungspaare beginnen die Spreads bei 0,4 Basispunkten (Percentage in Points = Pips). Die Kommissionen betragen etwa bei Euro und Schweizer Franken 0,4 Pips multipliziert mit dem jeweiligen Ordervolumen. Die Minimumgebühr liegt hier bei 4 Euro.

CFD-Handel

Lynx Broker bietet verschiedene Basiswerte auf CFDs an. Für den Handel eines Aktien-CFDs in Euro ist eine Gebühr von 0,1 Prozent des Orderwerts fällig, wobei der Online-Broker minimal 5,80 Euro je Transaktion berechnet.

Für Index-CFDs, beispielsweise mit dem DAX als Basis, zahlen Trader eine Kommission von 0,01 Prozent. Die Mindestgebühr beläuft sich auf 3 Euro. Bei den anderen großen Börsenbarometern wie S&P 500 oder Nikkei sind die Kommissionen ganz ähnlich.

Finanzierungskosten

Nicht außer Acht lassen sollten Lynx-Kunden die Kosten für Long-Positionen, die sie über Nacht halten. Der berechnete Sollzins ergibt sich aus dem Stand des EONIA (Euro OverNight Index Average), addiert mit 2,5 Prozent.

Gebühren für Zusatzleistungen

Komplett kostenlos sind bei Lynx Broker Zins- und Dividendenzahlungen, Orderänderungen und -stornierungen, Limitänderungen, taggleiche Teilausführungen sowie Einzahlungen per Banküberweisung.

Zudem können Kunden einmal im Monat gebührenfrei Einlagen von ihrem Handelskonto abheben. Die Kosten für weitere Auszahlungen richten sich nach der Währung, in der die Auszahlung stattfinden soll. Ein weiterer durchaus üblicher Kostenfaktor entsteht, wenn Kunden Aufträge ändern oder löschen wollen. Für Aktien-CFDs sind bei Lynx Broker Änderungen und Löschungen gebührenfrei. Für europäische Aktien, Optionen und Futures berechnet der Broker dafür jedoch eine Gebühr von 0,50 Euro.

### 5.

### Leistungen und Funktionen

In der browserbasierten Handelsplattform „Webtrader“ bietet Lynx seinen Kunden bereits alle gängigen Orderarten wie Limit, Market, Trailing Stop und Trailing Stop-Limit sowie Limit On Close und Market On Close. Zusätzlich können Nutzer das Tool „Trader Workstation“ auf ihrem PC installieren, das sogar über 50 unterschiedliche Ordertypen unterstützt. Neuemissionen bietet der Lynx Broker nicht an.

Für ihre einzelnen Handelsstrategien können Lynx-Kunden zahlreiche kostenlosen Trading Tools nutzen. Besonders aktive Trader können von den Zusatzmodulen profitieren. Einziger möglicher Nachteil: Die Module sind größtenteils nur in englischer Sprache verfügbar.

Lynx bietet zusammen mit seinem Servicepartner Interactive Brokers auch mobile Lösungen für iOS und Android sowie eine spezielle Variante für das iPad. Damit können App-Nutzer Wertpapiere handeln und ihr gesamtes Portfolio realtime im Blick behalten.

Für Trading-Neulinge bietet Lynx Broker einen Service-Bereich, der ausgiebige Analysen und Bildungsangebote im Video-Format sowie regelmäßige Webinare umfasst.

Der Kunden-Support von Lynx ist fünf Tage die Woche per E-Mail, Telefon und Post erreichbar – für alle Fragen rund um den Online-Broker und die Trading-Plattform. Außerdem können Trader den englischsprachigen Service von Interactive Brokers in den USA rund um die Uhr kontaktieren. Auf allen gängigen Social-Media-Kanälen ist Lynx ebenfalls zu erreichen.

### 6.

### Sicherheit

Transaktionen sind nicht mit dem TAN-Verfahren geschützt, wie bei anderen Online-Brokern üblich. Für den Handel sind bei Lynx lediglich die Log-In-Daten nötig. Eine zusätzliche Sicherheitsmaßnahme: Auszahlungen sind nur auf ein Konto möglich, das auf den Namen des Anlegers eingerichtet ist.

Lynx Broker ist BaFin-beaufsichtigt. Die Kundendepots führt jedoch Interactive Brokers in Großbritannien. Das Unternehmen unterliegt der britischen Financial Service Authority und ist über den britischen Einlagensicherungsfonds abgesichert – mit bis zu 85.000 Pfund pro Kunde. Zusätzlich besteht über die amerikanische Muttergesellschaft eine Police, die Kunden mit bis zu 30 Millionen US-Dollar pro Account schützt.

7. Fazit

„Weltweit Anlegen“ ist das Motto von Lynx. Der Online-Broker bietet seinen Kunden ein großes Angebot an handelbaren Assetklassen und Börsenplätzen. Daher sind auch relativ viele Kostenarten zu beachten.

Beim Aktienhandel sind die Ordergebühren vergleichsweise günstig. Bei Zertifikaten und ETFs ist das Angebot von Lynx Broker beschränkt und bestenfalls im mittleren Preissegment. Für Kunden die Derivate wie Futures und Optionen handeln wollen, bietet der Broker sich als gute Alternative an.

Insgesamt betrachtet ist Lynx ein recht günstiger Online-Broker, was für viele Trader ein ausschlaggebendes Argument darstellt. Die einmalige Ersteinzahlung von mindestens 4.000 Euro kann auf Kleinanleger jedoch abschreckend wirken.

Ein weiteres Manko: Die deutsche Abgeltungssteuer berücksichtigt Lynx nicht.

Grundsätzlich eignet sich die Plattform von Lynx auch für sehr aktive Trader. Vergünstigungen in Form von Viel-Trader-Rabatten bietet der Online-Broker jedoch nicht an. Trading-Novizen werden das Service-Angebot von Zusatzinformationen und regelmäßigen Webinaren zu schätzen wissen.