Comdirect

1. Allgemeine Informationen

Die comdirect ist eine der größten Direktbanken Deutschlands. Gegründet wurde die Bank 1994 als Tochtergesellschaft der Commerzbank und besteht seit Verschmelzung der beiden Gesellschaften im November 2020 als Marke der Commerzbank fort. Brokerage zählt neben Direktbanking und Beratung zu den Hauptgeschäftsfeldern der Direktbank mit Firmensitz in Quickborn.

Im Jahr 2019 bediente der Online-Broker 2,5 Millionen Kunden. Der Handel erfolgt an allen inländischen und knapp 50 ausländischen Börsen. Außerdem ermöglicht der Broker über „LiveTrading“ den außerbörslichen Handel in Echtzeit.

Über die kostenlose Plattform sind zahlreiche Produkte handelbar: Aktien, Derivate, Fonds und mehr. Auch Sparer kommen durch das Angebot verschiedener Sparpläne auf ihre Kosten. Comdirect sieht sich als Allround-Broker mit allseits konkurrenzfähigen Konditionen.

2. Schnellcheck: Vor- und Nachteile von comdirect in der Übersicht

Vorteile

  • Produktangebot: Große Auswahl an Assets und Handelsplätzen
  • Angebot verschiedener Sparpläne
  • Keine Mindesteinlage bei Depoteröffnung
  • Niedrige Gebühren an ausländischen Börsen
  • Umfangreiche Trading-Plattformen und Tools
  • Serviceangebote: regelmäßige Webinare, 24/7 Kundensupport
  • Umfangreiches Informations- und Wissensangebot
  • Day-Trading möglich
  • 1-Klick-Handel möglich
  • Inlandsorder mit Realtime-Kursen
  • Limitüberwachung in Echtzeit
  • Schutz durch Auswahl aus 3 verschiedenen TAN-Verfahren
  • Online Soforteröffnung des Depots möglich
  • Die deutsche Abgeltungssteuer wird berücksichtigt
  • Eignet sich für World Trader, Vieltrader und Einsteiger

Nachteile

  • Depotführung nach drei Jahren nur kostenlos bei minimaler Trading-Aktivität bzw. Nutzung eines Spar- oder Girokontos
  • Eurex-Handel nur mit Optionen
  • Höhere Finanzierungskosten bei CFDs
  • Kein automatisierter Handel möglich

3. Produkte

In der Regel bieten Broker den Handel mit Wertpapieren an oder sie haben sich auf Devisenpaare und CFDs spezialisiert. Der Markt unterscheidet daher auch zwischen Wertpapier-Brokern, Devisen-Brokern und CFD-Brokern. Comdirect ist sowohl Wertpapier- als auch CFD-Broker. Im Angebot des Online-Brokers sind Anleihen, Aktien, CFDs, ETCs, ETFs, Fonds, Zertifikate, Optionen, Optionsscheine und Futures. Das Depot ermöglicht den Anlegern, an mehr als 40 ausländischen und an allen inländischen Börsen zu handeln.

Kunden der comdirect können mehr als 10.000 Investmentfonds von 150 Gesellschaften und 900.000 Zertifikate zeichnen. Es stehen außerdem über 1.500 ETFs zur Auswahl.

Die Commerzbank ist für ihre Broker-Tochter als Market Maker aktiv. Das bedeutet: Das Kreditinstitut steht anderen Marktteilnehmern kontinuierlich als Handelspartner zur Verfügung und ermöglichen ihnen damit, sofort ihre Kauf- oder Verkaufsentscheidungen zu einem marktgerechten Börsenkurs zu verwirklichen.

Über die CFD-Plattform sind bei comdirect etwa 1.200 Basiswerte handelbar. Die Produktpalette reicht von Aktien, Indizes und Währungen über Edelmetalle und Rohstoffe bis hin zu Zins- und Index-Futures.

Zusätzlich ist der außerbörsliche Handel verfügbar. Über „LiveTrading“ können Kunden dabei in Echtzeit mit über 20 Emittenten handeln – wichtig für Trader, die häufiger in derivative Finanzinstrumenten wie beispielsweise Optionsscheinen, Hebelzertifikaten oder Anlagezertifikaten investieren.

Den Forex-Handel bietet die comdirect allerdings nur über CFDs an. Klassische Banking-Optionen gehören hingegen zum Geschäftsfeld des Geldinstituts, darunter Tages-, Festgeld- und Girokonten oder Finanzierungen. Auch das Sparplanangebot ist gut ausgestattet mit zahlreichen Aktien, Zertifikaten, ETFs und Fonds.

4. Kosten

Beim Handel über den Broker comdirect können unterschiedliche Kostenarten entstehen, wie:

  • Depotgebühren
  • Ordergebühren
  • Kommissionen
  • Spreads
  • Finanzierungskosten
  • Gebühren für Zusatzleistungen

Depotführungskosten in Höhe von 1,95 Euro im Monat fallen bei comdirect erst ab dem vierten Jahr an und das nur, wenn Kunden weniger als zwei Trades im Quartal tätigen oder kein Giro- bzw. Spar-Konto führen. Zweitdepots und auch CFD-Konten sind in jedem Fall kostenlos. Der Broker verlangt außerdem keine Mindesteinlage.

Handel mit Aktien, Optionen, Futures, Fonds und ETFs

Die Ordergebühren für Aktien und ETFs an deutschen Handelsplätzen setzen sich aus einem Festpreis von 4,90 Euro und einem 0,25-prozentigen Anteil vom Ordervolumen zusammen. Aufgrund einer Aktion beträgt der Grundpreis aktuelle sogar nur 3,90 Euro im ersten Jahr. Es ist eine Mindestgebühr von 9,90 Euro je Auftrag zu beachten. Die Kosten sind jedoch bei 59,90 Euro gedeckelt.

Handelsplätze berechnen ein zusätzliches Entgelt für Orders – über Xetra beispielsweise 0,0015 Prozent des Transaktionsvolumen bei einer Mindestgebühr von 1,50 Euro.

Dieselben Orderkosten gelten auch bei einem Fondskauf über die Börse. Kaufen Anleger über die Fondsgesellschaft, ergeben sich die Kosten aus dem teilweise rabattierte Ausgabeaufschlag und möglichen Fremdgebühren. Comdirect bietet außerdem eine Liste von Fonds mit einem 100-prozentigen Agio-Rabatt an.

Insgesamt ähnelt das inländische Gebührenmodell dem einiger Wettbewerber.

An ausländischen Börsen sind die Orderkosten etwas höher. Berechnet wird eine Grundgebühr von 7,90 Euro zuzüglich einer volumenabhängigen Provision von 0,25 Prozent. Es gilt zu beachten, dass die Gebühr mindestens 12,90 Euro, maximal aber 62,90 Euro beträgt. Mit 2,90 Euro liegt das börsenplatzabhängige Entgelt im Ausland etwas höher.

Besonders interessant für Vieltrader: Ab 125 Transaktionen im Vorhalbjahr reduziert der Broker die Orderentgelte um 15 Prozent.

Außerdem können comdirect-Kunden rund 80 börsengehandelte ETFs von zwei Fondsgesellschaften über Xetra zu einer reduzierten Pauschalgebühr von 3,90 Euro handeln.

Führen Anleger ihre Aktien, ETFs oder Zertifikate im Sparplan aus, beträgt die Gebühr 1,5 Prozent und maximal 4,90 Euro. Für eine Auswahl von 45 ETFs entfällt die Sparplan-Gebühr sogar ganz.

Der Handel von Optionen und Futures erfolgt über Eurex – die führende Terminbörse für Finanzderivate. Die Gebühr für Aktienoptionen beträgt 4,50 Euro. Optionen auf Indizes oder ETFs können für 2,50 Euro gehandelt werden. Pro Ausführung fallen allerdings mindestens 19,90 Euro Gebühr an.

Handel mit Optionsscheinen und Zertifikaten

Im comdirect-LiveTrading sind Zertifikate und Warrants (Optionsscheinen) außerbörslich zu besonders günstigen Konditionen handelbar. Ab 1.000 Euro Ordervolumen handeln Nutzer Zertifikate und Optionsscheine für 3,90 Euro pro Trade im ersten Jahr.

Danach betragen die Kosten 4,90 Euro. Weitere 0,25 Prozent des Transaktionswerts kommen zu den jeweiligen Ordergebühren hinzu. Die Mindestgebühr liegt für diese Assets bei 9,90 Euro.

Bei der Ausübung von Wahlrechten aus Optionsscheinen oder Zertifikaten fällt eine Gebühr von einem Prozent des Kurswertes an, mindestens aber 14,90 Euro.

CFD-Handel

Seinen Tradern bietet der Broker eine Auswahl aus über 1.300 Basiswerten mit engen Spreads und großer Liquidität.

Für den Handel mit Aktien-CFDs fällt eine Provision von 0,1 Prozent des Transaktionswerts an. Index-Future-CFDs und Volatilitätsindex-CFDs sind für eine 0,02-prozentige Gebühr handelbar. Für Differenzkontrakt auf den FDAX gilt eine reduzierte Gebühr von nur 0,01 Prozent. Die Gebühr beträgt jedoch für alle mindestens 4,90 Euro und höchstens 59,90 Euro. Die restlichen CFDs auf Indizes, Währungen, Rohstoffe oder Zins-Futures können Kunden kommissionsfrei handeln.

Außerdem sind Spreads zu berücksichtigen. Die Commerzbank tritt im CFD-Handel als Market Maker der comdirect auf und ist für die Kursstellung verantwortlich.

Eurex-Futures und Xetra-Aktien handeln comdirect-Kunden mit den 1:1 Kursen der Referenzbörse. Bei DAX-Kontrakten beläuft sich der Broker-Spread auf zwei Punkte, beim Dow Jones auf vier Punkte. Beim Handel mit Euro/USD sind zwei Basispunkte (Pips) fällig.

Für telefonische CFD-Orders fällt eine Zusatzgebühr von 4,90 Euro an. Das entspricht etwa einem Drittel des sonstigen Offline-Aufschlags für den börslichen Handel der comdirect.

Finanzierungskosten

Nicht außer Acht lassen sollten Trader die Kosten für Long- und Short-Positionen, die bei comdirect über Nacht gehalten werden. Die Overnight-Finanzierung berechnet sich mit einem Zinssatz von 3 Prozent. In der Long-Position addiert der Broker den jeweiligen Währungszins zusätzlich und zieht diesen in der Short-Position ab.

Gebühren für Zusatzleistungen

Komplett kostenlos sind bei comdirect Zins- und Dividendenzahlungen, Orderänderungen bzw. -stornierungen, Limitänderungen, taggleiche Teilausführungen sowie Einzahlungen.

Auch über „LiveTrading“ fällt keine Ordergebühr an.

Für eine Order per Telefon, Fax oder Brief fallen jedoch Gebühren in Höhe von 14,90 Euro an und börsenspezifische Zuschläge sind nicht ausgeschlossen.

5. Leistungen und Funktionen

Im Börsenhandel bei comdirect gibt es die Ordertypen Limit Buy, Limit Sell, Stop Buy, Stop Sell, Trailing Stop Buy und Trailing Stop Sell sowie OCO und Next. Bei Orders über Xetra sind auch die Orderzusätze FOK und IOC möglich. Im US-Handel steht außerdem die „All or none“-Option zur Verfügung. Auch Neuemissionen sind im Angebot des Brokers.

Die reguläre Handelsplattform ist für alle comdirect-Kunden kostenfrei. Die Handelsplattform ProTrader ist für 15 Euro zu buchbar und bietet zusätzliche Funktionen. Ab 15 Transaktionen pro Monat entfallen die Kosten jedoch.

Auch mit der Plattform ProTrader beschränkt sich der Leistungsumfang für die technischen Analyse auf gängigen Chart-Darstellungsformen und Indikatoren. Die Auswahl der Zeichenwerkzeugen ist begrenzt und die Plattform ermöglicht nur den Zugriff auf standardisierte, technische Handelssignale des Drittanbieters Techrules.com. Trading-Funktionen wie die Orderbucheinsicht und Realtime-Push-Kurse stehen zur Verfügung.

Die comdirect-Website und verschiedene Apps für iOS, Android und Windows machen mobiles Trading und Banking jederzeit möglich.

Ein Konto kann auch über ein Videoident-Verfahren eröffnet werden. Lediglich ein Ausweisdokument aus Deutschland, Liechtenstein, Luxemburg, Österreich oder der Schweiz ist erforderlich. Es besteht außerdem die Möglichkeit, zunächst nur ein Demokonto zu nutzen, entweder mit oder ohne Risikobegrenzung.

Der Kunden-Support ist an sieben Tagen die Woche 24 Stunden lang erreichbar und das über Telefon, Live-Chat, Fax, Brief oder E-Mail.

Die Internetseite beinhaltete verschiedene Bereiche zur Weiterbildung und Recherche. Dazu gehören Webinare, das Kundenmagazin und ein Börsenlexikon sowie die Menüpunkte „Informer“ und „Aktienselector“. Kunden können sich darüber über aktuelle Kurse und News informieren sowie relevante Aktien finden.

Zusätzlich gibt die Möglichkeit, die digitale Vermögensverwaltung cominvest kostenpflichtig zu nutzen. Experten und Algorithmen verwalten das Depot bei einer Mindesteinlage von 3.000 Euro.

6. Sicherheit

Comdirect ist mit der deutschen Vollbanklizenz vollständig inländisch lizenziert und reguliert durch die BaFin. Der Broker ist an die gesetzliche Einlagensicherung angebunden, sodass die Einlagen im Insolvenzfall bis 100.000 Euro pro Kunde abgesichert sind.

Darüber hinaus verfügt comdirect als Geschäftsbereich der Commerzbank über den Zugang zu einem privaten Einlagensicherungsfonds. Dieser Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken (BdB) sieht derzeit eine Sicherungsgrenze in Höhe von 15 Prozent des maßgeblich haftenden Eigenkapitals vor, sodass Kunden erheblich stärker geschützt sind.

Für die Wertpapiere in Kundendepots greift die Absicherung allerdings nicht. Banken verwahren Aktien, Anleihen, Fonds oder Zertifikate lediglich. Eine Herausgabe des Eigentums ist jederzeit möglich.

Kunden der comdirect können eigene Sicherheitsmaßnahmen treffen, um Konto und Depot vor unbefugtem Zugriff zu schützten. Transaktionen können mittels drei verschiedener TAN-Verfahren erfolgen: der photoTAN, der mobileTAN oder der iTAN. Das Einrichten von Auftrags- bzw. Überweisungslimits bietet zusätzlichen Schutz.

Risikobewusste Trader dürfte auch interessieren, wie comdirect Nachschusspflichten im CFD-Handel handhabt. Grundsätzlich weist der Broker ausdrücklich auf die Risiken bezüglich der Nachschusspflicht hin. Verluste beim Handel mit Differenzkontrakten können das Kontoguthaben erheblich übersteigen.

Allerdings bietet comdirect die Möglichkeit, eine Risikobegrenzung für CFD-Konten einrichten zu lassen. Damit sind Verluste auf das Kapital begrenzt, das sich auf dem Konto befindet. Zu beachten ist jedoch, dass die Margin-Anforderungen durch eine verbindliche Begrenzung deutlich ansteigen.

7. Fazit

Comdirect bietet seinen Kunden ein breites Angebot an handelbaren Asset-Klassen und Börsenplätzen. Auch der außerbörsliche Handel ist über Tradegate und verschiedene Partner möglich. Besonders im ETF- und CFD-Handel ist die Auswahl an Basiswerten groß.

Anleger handeln über professionelle Plattformen wie ProTrader oder eine mobile App.

Die Ordergebühren des Brokers an inländischen sowie ausländischen Börsen sind wettbewerbsfähig und transparent auf der Website abgebildet.

Im Gegensatz zu einigen anderen Brokern bietet comdirect außerdem auch Sparpläne und klassische Banking-Optionen wie Giro-Konten und Finanzierungen an.

Für Eurex-Händler ist das Angebot jedoch auf Optionen beschränkt und vergleichsweise teuer.

Positiv ins Gewicht fallen die Konditionen der Depotführung. In den ersten drei Jahren ist ein Depot kostenfrei nutzbar und auch ab dem vierten Jahr fallen nur Gebühren an, wenn kein Sparplan bzw. Girokonto genutzt wird oder pro Quartal nicht mindestens zwei Trades getätigt werden. Auch die Mindesteinlage entfällt bei comdirect.

Einen Kritikpunkt liefert der CFD-Handel mit der Commerzbank als Market Maker. Die angebotene CFD-Brokerage ist für Einsteiger ausreichend, kann aber mit den Konditionen der besten Direct-Market-Access-Brokern nicht mithalten.

Grundsätzlich ist comdirect sowohl für Einsteiger als auch erfahrene Trader ein attraktiver Anbieter. Kunden können sich durch regelmäßige Webinare, das Kundenmagazin oder den Info-Bereich der Website umfangreich informieren. Darüber hinaus steht ein persönlicher 24-Stunden-Support und kostenlose Realtime-Kurse zur Verfügung. Ein besonderes Plus für Vieltrader: comdirect gewährt ab 125 Transaktionen im Vorhalbjahr einen Rabatt von 15 Prozent.

Die 27 Jahre Erfahrung des Brokers und die Aufsicht durch die BaFin schaffen ein reguliertes Trading-Umfeld.